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Fast vergessen.

Klar. Jeder bekommt mit, was erfolgreiche ehemalige Eintrachtler wie Jermaine Jones oder Oka Nikolov heute machen. Aber wo spielen momentan diejenigen, von denen man sich bei der SGE einiges erhofft und im Endeffekt vieles nicht ganz so geklappt hat? Hier ein kleiner Überblick.

–       Juvhel Tsoumou:

Einst als riesiges Sturmtalent gehandelt, startete er mit seinem Siegtreffer für die SGE gegen die übermächtigen Bayern verheißungsvoll in seine Bundesligakarriere. Doch leider sollte diese in Frankfurt nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt sein. Während er in den Jugendmannschaften sowie der U23 der Frankfurter regelmäßig traf, blieb das Tor zum 2:1 der Eintracht über den FCB sein einziger Bundesligatreffer. In der Folgezeit kam Juvhel, Verwandter des ehemaligen Bundesligaspielers Tsoumou-Madza, viel rum. Erst landete er bei Alemannia Aachen, dann ging es zurück nach England, wo er schon in der Jugend für die Blackburn Rovers spielte. Aber auch in Plymouth und später bei Preston North End wollte sich kein nachhaltiger Erfolg einstellen. Erst im Jahr 2012 lief es für den Deutsch-Kongolesen wieder besser. In der zweiten österreichischen Liga spielte er im Trikot des TSV Hartberg und kam auf immerhin 5 Saisontore. Doch dem Verein aus der Steiermark war dies anscheinend nicht genug, sodass man Tsoumou aus seinem Vertrag entließ und er sich nun seit einigen Wochen in der Slowakei befindet. Dort spielt er immerhin in der ersten Liga für den FK Senica, einen Club aus dem Westen der Slowakei, welcher in der vergangenen Saison immerhin Zweiter werden konnte. Bleibt zu hoffen, dass Juvhel hier Erfolge landen kann und sich die Anzahl seiner Tore derart erhöht, dass er vielleicht wieder für den ein oder anderen deutschen Profiverein interessant werden könnte. Mit seinen gerade mal 22 Jahren ist er auf jeden Fall noch jung genug, um seine Ziele zu erreichen, sofern er weiterhin hart arbeitet.

–       Faton Toski:

Nicht mehr ganz so jung ist Faton Toski. Faton sorgte früh für so manche Begeisterungsstürme bei der Eintracht, insbesondere in der Saison 2008/2009, als ihm gegen den VfL Wolfsburg ein herausragendes Tor gelang. Konstanz war jedoch sein größtes Problem und so schaffte er es unter Funkel nicht, sich dauerhaft in den Kader zu spielen. Nachlässigkeiten im Training waren hier wohl das größte Problem, denn Talent hatte er nach Meinung vieler Experten genug. So ging es für ihn in der Spielzeit 2010/2011 nach Bochum, wo er zumindest in den ersten zwei Spielzeiten auf durchschnittlich 15 Spiele pro Saison kam. Erst in der vergangenen Saison zeigte der Trend abwärts und so kam der Deutsch-Kosovare lediglich noch auf 9 Saisonspiele. Dies führte schlussendlich dazu, dass sein Vertrag nicht verlängert wurde. Toski, der in seiner Karriere schon mit so mancher Verletzung zu kämpfen hatte, steht nun also gänzlich ohne Verein da und so hofft der Mittelfeldspieler, mit seinen 26 Jahren möglichst bald einen neuen Club zu finden. Optionen, zumindest in Liga 3, sollte es für den begabten Freistoßspezialisten doch eigentlich genug geben…

–       Alexander Krük:

Krük?! Wer soll das denn sein? Tja, dieser Spieler wurde in der Saison 2008/09 als Ersatz für die Position den Linksverteidigers geholt. Er kam damals aus Emden und galt als Hoffnung auf dieser doch chronisch dünnbesetzten linken Seite, doch konnte er sich bei der Eintracht nicht gegen Spycher durchsetzen. So kam er unter Trainer Funkel auf lediglich einen Bundesligaeinsatz. Krük wurde in der Folgezeit von der Eintracht nach Osnabrück in die dritte Liga ausgeliehen, wo er sich zu einem zuverlässigen Mittelklassespieler entwickelte, der ab und an sogar für Tore sorgte. Nach einem kurzen Abstecher nach Bielefeld spielt Krük seit 2012 auch wieder fest für den VfL aus Osnabrück und ist dort Stammspieler auf der linken Seite. Mit bislang 2 Toren in 7 Spielen kann sich selbst seine Torausbeute für einen Verteidiger sehen lassen und so gilt Krük mittlerweile als Leistungsträger und einer der besten Außenverteidiger der dritten Liga, sodass man durchaus sagen kann, dass seine Karriere eine gute Entwicklung genommen hat. Vielleicht sehen wir ihn ja sogar noch mal in höheren Ligen. Die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht, herrscht in Deutschland doch immer noch ein Mangel an guten Linksverteidigern.

Aber Achtung: Krük heißt gar nicht mehr Krük. Denn der liebe Alexander hat im vergangenen Jahr den Namen seiner Frau angenommen und heißt seitdem Alexander Dercho. Wohl auch eher eine Seltenheit im Bereich des professionellen Fußballs.

–       Kreso Ljubicic:

Ähnlich wie Toski galt auch Ljubicic aufgrund seiner feinen Technik als großes Talent und so kam er im zarten Alter von 18 Jahren zu seinem ersten Bundesligaeinsatz (Saison 2007/08). Eine Saison später spielte er immerhin fünf Mal für die Frankfurter Eintracht in der Bundesliga, ohne jedoch große Akzente setzen zu können. Immerhin wurde er jedoch für Kroatiens U21 berufen und so geriet sein Name auch international etwas mehr in den Fokus. Es gab einige lose Anfragen und da er lediglich ein Spiel in der Bundesliga über 90 Minuten durchspielte, wechselte er schließlich in der darauffolgenden Saison zum kroatischen Traditionsclub Hajduk Split. Trotz vieler Vorschusslorbeeren sollte er sich jedoch auch dort nicht durchsetzen können. Grund dafür waren auch mehrere Verletzungen. Insbesondere ein Kreuzbandriss im vergangenen Jahr setzte ihn lange außer Gefecht. So hieß es zu dieser Saison Abschied nehmen von Split und auf nach Zagreb, wo er nun von NK Hrvatski Dragovoljac ausgeliehen wurde. Es bleibt abzuwarten, ob sich der gebürtige Hanauer beim Aufsteiger durchsetzen und für Ausrufezeichen sorgen kann. Mittlerweile als Linksaußen aktiv, wären dazu allerdings Tore notwendig, für die Ljubicic auch früher schon nicht bekannt war.

–       Evangelos Mantzios:

Unter Funkel hatte die Frankfurter Eintracht immer wieder gute Griechen, die maßgeblich an den Erfolgen der Eintracht beteiligt waren. Kyrgiakos, Amanatidis und Liberopoulos waren allesamt ein Gewinn für die Mannschaft. Es gab jedoch auch den ein oder anderen Griechen, der den Mannen vom Main nicht keine so große Hilfe war. Einer davon war Mantzios. Der Stürmer, ausgeliehen von Panathinaikos Athen, kam zur Rückrunde 07/08 an den Main, konnte jedoch mit lediglich einem Tor in 10 Spielen nicht überzeugen. Für die Eintracht trotzdem kein Problem, war er doch nur ausgeliehen. Für ihn ging es danach zurück nach Athen, wo er seine vielleicht besten Spiele haben sollte. Dem ein oder anderen Fußballfan dürfte da noch das Champions League Spiel gegen Bremen in Erinnerung sein, wo er gegen Werder alleine zwei Tore erzielte. Diese Leistung brachte ihn gar zur Nationalmannschaft und so war mancher Fan der SGE verwundert, warum er diese Leistung nicht bei uns abrufen konnte. Doch so schnell es bergauf ging, so ging es auch wieder bergab. In der Saison 09/10 folgte eine Leihe nach Zypern zu Famagusta und eine Saison später nach Portugal, alles ohne nennenswerten Erfolg. Nachdem sein Vertrag dann in Athen auslief, wechselte er innerhalb Griechenlands zu OFI Kreta, wo er immerhin auf 7 Tore in 22 Spielen kam. Zur neuen Saison ging es für ihn dann, erneut per Leihe, nach Baku zum FK, wo er lediglich auf 2 Tore kam und in der Rückrunde zurück in Griechenland kaum noch Fuß fassen konnte. Und heute? Mantzios hat bzw. musste erneut den Verein wechseln und träg nun das Trikot des APO Levadiakos. Er spielt dort immerhin noch in der ersten Liga. Bislang jedoch, ohne frühere Höhen erreichen zu können.

Nun. Eigentlich wollte ich den Artikel an dieser Stelle beenden, doch ein Name ließ mich nicht los:

–       Habib Bellaid:

In einer Zeit, in der die Eintracht so manches mal versuchte, durch etwas größere Investitionen auch größere Erfolge in Liga und Pokal zu erzielen, kam ein junges Talent aus Straßburg. Bellaid, seinerzeit französischer U21 Nationalspieler, hatte in der Saison zuvor als Jungspund 32 Spiele für die Elsässer gemacht und galt insgeheim gar als Hoffnung für die Innenverteidigung der französischen Nationalmannschaft. Verständlich also, dass die Eintracht nach Racings Abstieg zuschlug und den jungen Habib in der Transferphase der Saison 2008/09 verpflichtete. Was folgte, war zunächst auch gar nicht so schlecht. Immerhin 22 Spiele machte der zu dieser Zeit 22-jährige, wenngleich oft auch etwas unsicher, aber Funkel gab ihm das Vertrauen und so spielte er oft an der Seite von Russ für die Langzeitverletzten Vasoski und Chris. Doch es zeigte sich, dass in der darauffolgenden Saison die Konkurrenz größer werden sollte und so wurde ihm unter Neu-Trainer Michael Skibbe mitgeteilt, dass er den Verein verlassen solle. Was folgten waren Leihen in die Ligue 2 zu Racing Straßburg, wo er sich gut präsentierte und daraufhin im Winter in die Ligue 1 nach Boulogne weiterverliehen wurde. Danach folgte eine  weitere Ausleihe, diesmal zum CS Sedan-Ardennes. In der Saison 2011/2012 gehörte er wieder dem Kader der Eintracht an, doch irgendwie sollte es auch in Liga 2 nicht für Bellaid, mittlerweile algerischer Nationalspieler, reichen. Unter Veh machte er lediglich ein Spiel und wechselte nach der Saison erneut zum CS Sedan-Ardennes, wo er auf 27 Spiele kam. Doch der Club stieg ab und so stand Bellaid zu neuen Spielzeit erneut ohne Verein da. Mitte August fand er jedoch einen neuen Club. Diesmal in dem Land seiner Nationalmannschaft – Algerien. Seit dieser Saison ist er nun also beim MC Algier unter Vertrag. Der Tabellendritte der vergangenen Saison bietet ihm immerhin einen Stammplatz und Spielpraxis, aber ob er jemals auf die europäische Bühne zurückkehren wird, erscheint trotz seiner 27 Jahre mehr als fraglich. Irgendwie traurig, erinnere ich mich doch noch gut daran, wie ich ihn mal mit seiner gesamten Familie in der Frankfurter MyZeil sah. Er schob den Kinderwagen und schien, trotz weniger Einsatzzeiten bei der Eintracht, glücklich.

Man kann nur hoffen, dass er – wie die anderen Spieler auch – sein Glück noch finden (bzw. dann auch behalten) wird. Aber man sieht, dass das Fußballgeschäft alleine aufgrund dieser vielen Vereinswechsel ein recht heftiges ist und man entweder ein gefestigter Charakter sein oder ein stabiles Umfeld haben muss, um dabei nicht auf der Strecke zu bleiben.

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